Jahresempfang der Evangelischen Stiftung Neinstedt

20.11.2025

Jahresempfang der Evangelischen Stiftung Neinstedt

Ministerin Petra Grimm-Benne war als Gast dabei.

Petra Grimm-Benne, Ministerin für Gesundheit, Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt, war als Gast dabei und hielt das Impulsreferat.

Nach einigen Jahren Pause möchte die Evangelische Stiftung Neinstedt an eine bewährte und schöne Tradition anknüpfen. Der Jahresempfang der Stiftung ist ein besonderer Moment und ein Anlass, um sich gemeinsam mit den Partnerinnen und Partnern der Stiftung zu bedanken, ins Gespräch zu kommen, zurückzublicken und nach vorn zu schauen.

Etwa 130 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, der Kirche und Diakonie, dem Sozialbereich, Partnereinrichtungen und des gesellschaftlichen Lebens waren vor Ort, um untereinander und mit Mitarbeitenden der Stiftung ins Gespräch zu kommen. Mitglieder des Bewohner- und Werkstattbeirats waren als Interessenvertreter von Menschen mit Beeinträchtigung ebenfalls dabei. Den musikalischen Rahmen gab die inklusive Band HarzAttack, die sich im Frühjahr dieses Jahres in Neinstedt gegründet hat.

Begrüßt wurden die Gäste vom Pädagogisch-Diakonischen Vorstand der Stiftung, Ronny Rösler, mit einem Zitat des ehemaligen Bundestagspräsidenten Prof. Dr. Norbert Lammert: „Streit gehört zu einer vitalen Gesellschaft. Nur durch den Konflikt ist auch eine Weiterentwicklung möglich.“ Ronny Rösler erläuterte weiter: „Damit ist aus der Sicht der Stiftung auch die jetzige kontrovers geführte Diskussion über die Ausgestaltung der Rahmenbedingungen für die Finanzierung der Eingliederungshilfe in Sachsen-Anhalt gemeint. Doch Lammert setzt in seinem Zitat auf einen Kontext! Er meint, dass Streit nicht zerstören muss. Wenn wir verantwortungsvoll führen, eröffnet er neue Perspektiven. Gerade in der sozialen Marktwirtschaft, in der sich Freiheit und Verantwortung begegnen sollen, braucht es diesen Streit.“

Stephan Zwick, Kaufmännischer Vorstand der Stiftung, präsentierte den Anwesenden die Entwicklung der Stiftung in den letzten zwölf Jahren. „Das ist die Zeit, in der ich in Neinstedt bin, und da hat sich eine Menge getan“, so Zwick. In dieser Zeit hat sich die Zahl der Mitarbeitenden in der Stiftung und deren Tochterunternehmen auf knapp 1.600 erhöht und der Jahresumsatz mit ca. 85 Mio. Euro 2025 mehr als verdoppelt. Der Anteil der Arbeit mit Menschen mit einer Beeinträchtigung ist im Verhältnis zurückgegangen, da die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Senioren und im Gesundheitssektor zugenommen hat. Ein Bestandteil der Präsentation war, einen Einblick in geförderte Projekte zu geben. Dabei bedankte sich Stephan Zwick auch bei der Ministerin Grimm-Benne, da ein Teil der Fördermittel aus dem Haushalt des Landes kam, wie zum Beispiel das Corona-Sondervermögen, um Wohnangebote in der Zukunft pandemieresilient zu gestalten.

Im anschließenden Impulsreferat erläuterte die Ministerin Petra Grimm-Benne: „Der Sozialstaat wird nicht nur aufgrund der demografischen Lage und des begrenzten finanziellen Spielraums herausgefordert. Auch politische Rufe nach einem schärferen Kurs setzen die sozialpolitischen Errungenschaften, die weit mehr umfassen als Bürgergeld und Rente, gezielt unter Druck. In der Diskussion fällt auf: Diejenigen, die am lautesten eine härtere Gangart fordern, haben oft noch nie selbst erfahren, wie es ist, auf Hilfe angewiesen zu sein. Anstelle von Überbietungswettbewerben bei Leistungsstreichungen brauchen wir eine vorausschauende Entbürokratisierung und Modernisierung, die unseren Sozialstaat und unsere Demokratie gleichermaßen stabilisiert. Deshalb wird auf Bundesebene eine Kommission Antworten finden, wie unser Sozialstaat auch morgen ein Fundament für soziale Gerechtigkeit und Teilhabe bleibt. Eins ist dabei klar: Gute Politik zeigt sich im Umgang mit Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind. Trotz aller hitzköpfigen Diskussionen braucht es auch in Zukunft ein Sicherungsnetz, das Menschen ermöglicht, in Würde am Leben teilzuhaben. Dies erfordert eine funktionierende Wirtschaft und eine Gesellschaft, die Brücken baut und für alle Chancen schafft – unabhängig von Herkunft, Einkommen oder sozialem Status.“


Der Jahresempfang war aus Sicht der Stiftung ein voller Erfolg und wird zukünftig wieder ein fester Bestandteil im Kalender sein.